Indonesien

Aus Geschichte der Behinderung

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Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Heilpädagogik in Indonesien (Autorin: Mandy Hermanns)

Überblick: Relevante Prozesse, Strukturen, Daten

Allgemeine Entwicklungstendenzen

  • Die Anfänge des Sonderschulwesens in Indonesien beschränkten sich auf die Insel Java
  • 1901 wurde die erste Schule für Behinderte (reine Blindenschule) in Bandung eröffnet
  • 1930 wurde durch Privatinitiative eine zweite Sonderschule für gehörlose und hörbehinderte Kinder gegründet, ebenfalls in Bandung
  • 1955 wurde eine Abteilung Sonderschulwesen innerhalb des Ministeriums für Erziehung und Kultur errichtet → 1975 wurde diese Abteilung zu einem Subdirektorat.
  • Die meisten indonesischen Sonderschulen und Rehabilitationseinrichtungen sind bis heute nicht-staatlich und erhalten daher nur beschränkt staatliche Förderung
  • 1984 wurde die Sekolah Dasar Luar Biasa (Sonder-Grundschule für behinderte Kinder) gegründet. 1989 gab es bereits 207 dieser Schulen mit 7028 Schülern. In diesem Schultyp werden sehbehinderte, blinde, hörbehinderte und gehörlose, körper- und geistigbehinderte Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren unterrichtet. Sie umfasst wie die Regelgrundschule 6 Schuljahre. Die Kinder werden in versch. Klassen ihrer jeweiligen Behinderung entsprechend nach dem Curriculum für Primarschulen unterrichtet.
  • Die Sekolah Terpadu (Verbindungsschule) ist eine Integrationsschule und wurde 1977 als integrativer Schulversuch in Bandung gegründet. Dort wurden zunächst blinde Kinder (mit normaler Intelligenz) und Sehende gemeinsam unterrichtet.
  • Durch staatliche wie nichtstaatliche nationale und internationale Mithilfe wurden im Laufe der Jahre weitere integrative Schulen ermöglicht (etwa 1989 insg. 84). Diese Schulen unterrichten vor allem körperbehinderte, leicht geistig behinderte oder sehgeschädigte Schüler.

Konzeption und Administration

  • vier staatliche Behörden sind in Indonesien für Behinderte verantwortlich:
  1. Ministry of Education and Culture,
  2. Ministry of Social Affairs
  3. Ministry of Health
  4. Department of Manpower
  • Das indonesische Ministerium für Erziehung und Kultur fasst unter dem Begriff „luar biasa“ (außergewöhnlich) 7 versch. Richtungen von Behinderungen zusammen:
    • Sehgeschädigte
    • Hör- und Sprachbehinderte
    • geistig Behinderte
    • physisch Behinderte
    • Hochbegabte
    • mehrfach Behinderte
  • Das indonesische Sonderschulsystem umfasst aber insgesamt 12 versch. Arten der "Sekolah Luar Biasa" SLB (außergewöhnliche Schulen, Stand 1989):
    • SLB-A: für Blinde (46)
    • SLB-B: f. hörbehinderte oder gehörlose Kinder (79)
    • SLB-C: f. schwach geistig behinderte/ lernbehinderte Kinder (76)
    • SLB-C1: f. schwer geistig behinderte Kinder (11)
    • SLB-D: f. leicht körperbehinderte Kinder (8)
    • SLB-D1: f. schwer körperbehinderte Kinder (4)
    • SLB-E: f. Kinder mit Störungen im Gefühls- und Empfindungsleben (13)
    • Sekolah Luar Biasa Campuran dan Tunaganda: f. Mehrfachbehinderte Kinder (192)
    • Sekolah Terpadu (Verbindungsschule): eine Integrationsschule an der behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. (84)
    • Sekolah Dasar Luar Biasa: Sonder-Grundschule für behinderte Kinder (207)
    • SLB C/C1: f. leicht und schwer geistig behinderte Kinder (40)
    • SLB D/D1: f. leicht und schwer Körperbehinderte (7)

Statistiken

  • In Indonesien gibt es (stand etwa 1989) 21 staatliche Sonderschulen, davon sind allein 14 auf Java angesiedelt.
  • 64% (502 Schulen) aller Sonderschulen (auch Grund-Sonderschulen und Integrationsschulen) in ganz Indonesien befinden sich allein auf Java.
  • Die behinderten Kinder werden meist bis zur Vollendung ihres 12 Lebensjahres in einer Sonderschule unterrichtet. Dies sieht die indonesische Schulpflicht so vor.
  • Von 1980-1990 stieg der Anteil der Sonderschulen um 200%, der Schüler um 265% und der Lehrer um 373%. Dieser hohe Anstieg ist mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1984 durch die indonesische Regierung zu erklären.
  • Einige Sonderschulen bieten eine zwei- bzw. dreijährige Vorschulerziehung an.
  • An Schulen für Hörbehinderte und stark körperbehinderte Kinder sieht die Grundschulbildung 8 bis 12 Schuljahre vor. Anschließend an die Grundschulzeit sieht das indonesische Schulsystem für blinde, gehörlose und schwer körperbehinderte Kinder meist eine zweijährige berufsausbildende Erziehung vor.
  • Hörgeschädigte Kinder erhalten meist eine vierjährige Ausbildung die neben der praktischen Ausbildung auch die Sekundarstufe 1 mit einschließt.
  • Sonderschulen für sehgeschädigte, lernbehinderte sowie körperbehinderte Kinder (ohne zerebrale Lähmung) bieten oft eine drei- bis vierjährige weiterführende Schulausbildung an (Sek.1). Schulen für Kinder mit Störung im Gefühls- und Empfindungsleben umfassen nur die Primarstufe, im Anschluss sollen diese Kinder eine Regelschule der Sek.1 besuchen.

Lehrerausbildung

  • 1952 wurde in Bandung die erste Schule zur Ausbildung von Sonderschullehrern (Sekolah Pada Guru Luar Biasa = SPGLB) für gehörlose und sprachbehinderte, blinde und geistig behinderte Schüler eröffnet.
  • Etwa 1989 gab es 6 dieser SPGLB, das Studium an dieser Schule dauert 4 Semester, während dieses Studiums spezialisieren sich die Studenten in einer der fünf Hauptrichtungen der Sonderpädagogik:
    • Blindenpädagogik
    • Gehörlosenpädagogik
    • Pädagogik der geistig Behinderten und Lernbehinderten
    • Pädagogik der Körperbehinderter
    • Pädagogik für Kinder mit Störung im Gefühls- und Empfindungsleben.
  • Nach Abschluss dieser Ausbildung können die Lehrer an einer Hochschule für Pädagogik für vier Jahre ein Studium weiterführen und dieses mit dem Abschluss eines "Bachelor Degree" in "Special Education" abschließen.
  • Die Institute zur Lehrerausbildung (IKIP = Institut Keguruan Ilmu Pendidikan) bilden nur in insgesamt sechs Instituten Sonderschullehrer aus (vier auf Java, je eine in Sulawesi und in Sumatra). Neben den IKIP bieten zwei Universitäten in Solo und Bandung einen Ausbildungsgang für Sonderschullehrer an.
  • Das Ministerium für Erziehung und Kultur hat Curricula für die Sonderschularten A-E erstellt. Jede Schule kann jedoch ihr eigenes Curriculum erarbeiten, sollte aber die lokale Kunst und Kultur, Kunstgewerbe, Traditionen und Sprache berücksichtigen. Schulen für mehrfach Behinderte haben noch kein eigenes Curriculum. Die Curricula der Sonderschulen sollen eine Spieltherapie und ein Aktivitätsprogramm umfassen, einschließlich Turnübungen und einer Beschäftigungstherapie.


Überblick der behindertenpädagogischen Praxis in den Nachbarländern #Singapur, #Thailand und #Malaysia

Medien und Texte

Ziel der Sonderschulen

Das primäre Ziel der Sonderschulen ist die Integration des Behinderten in die Gesellschaft. Die indonesischen Sonderschulen sollen dem Kind helfen, ein rechtschaffendes und produktives Mitglied der Gesellschaft zu werden.

Private Initiative

Die meisten der Sonderschultypen sind privat, da für die Ausbildung, pädagogische Betreuung oder Rehabilitation behinderter Indonesier kaum Geld zur Verfügung stand und meist immer noch wenig Geld zur Verfügung steht. Somit ist es verständlich, dass private Schulen und Organisationen den Bedarf nach Sonderschulen und Rehabilitations-möglichkeiten erfüllen, den die Regierung aufgrund ihrer begrenzten finanzieller Mittel nicht stillen konnte und kann. 1991 halfen 130 soziale Organisationen und Stiftungen private Sonderschulen sowie beschützende Werkstätten zu verwalten. Die Stiftungen sehen ebenfalls ihr Ziel darin die behinderten Kinder in die Gemeinschaft zu integrieren, sie zum Lesen, Schreiben und Rechnen zu befähigen und ihnen einen nationalen Geschichts- und Kulturunterricht zu vermitteln. Entsprechend den vier in Indonesien registrierten Behinderungsarten, gibt es vier nicht-staatliche organisierte Dachverbände, welche jeweils kleinere Vereine zusammenfassen. Auch in diesem Bereich zeigt sich wieder die Vorrangstellung Javas innerhalb Indonesiens deutlich, denn die meisten dieser Stiftungen findet man auf dieser Insel (meist über drei viertel). Den starken Bezug Indonesiens zu den Niederlande kann man ebenfalls in diesem Zusammenhang feststellen, wenn man sich einmal die finanziellen Spenden anschaut. Denn 1990 kamen 25% aller finanziellen Spenden aus den Niederlande. Die Affinität zwischen den Niederlanden und Indonesien zeigt sich weiterhin im Austausch von Lehrern und Sozialarbeitern, ebenso bei den Ausbildungen, Weiterbildungen und/oder Spezialisierung von indonesischen Lehrern, Sozialarbeitern und Ärzten in den Niederlande.


Außerschulische Einrichtungen

Die staatliche Fürsorge richtet sich nach Artikel 27 und 34 der indonesischen Konstitution, wonach jeder Bürger das Recht hat in einer menschlichen Umgebung zu leben. 1980 erließ die indonesische Regierung eine weitere Verordnung zur Rehabilitation Behinderter. Außerdem betont die indonesische Regierung die Rolle und Kooperation der Behinderten für die Entwicklung des Landes. 1991 hatte Indonesien 223 staatliche und private Institutionen zur Betreuung von Behinderten, die jährlich ca. 22300 Menschen für Therapien oder Rehabilitation aufnehmen. In diesem Zusammenhang sei zu bedenken, obwohl es keine offiziellen Zahlen über die Anzahl von Behinderten in Indonesien gibt, geht man davon aus, dass mindestens 6 Millionen Indonesier behindert sind. Insgesamt gibt es 75 Mental Health Facilities, diese bieten neben einer Beratung auch stationäre Therapien an. Jedoch müssen Patienten nach vier Wochen das Krankenhaus wieder verlassen, wenn sich keine Besserung zeigt. In Indonesien gibt es sehr wenig Ärzte/Therapeuten die sich auf die Heilung von psychisch kranken Kindern spezialisiert haben. Die wenigen von ihnen findet man meist auf Jakarta und Surabaya. Für geistig Behinderte die nicht von ihrer Familie verpflegt werden können, gibt es eine Stiftung in Malang. Für Physisch Behinderte existiert ein Zentrum in Solo und für Blinde das „Pusat Rehabilitasi Bandung“ in West Java. Auch in diesem Bereich (außerschulische Einrichtungen) gingen die ersten Initiativen von privaten, nichtstaatlichen Organisationen aus, so entstand z.B. auch die Stiftung „Budi Karya“, eine beschützende Werkstatt in Jakarta für geistig Behinderte oder „Loka Bina Karya“ für Körperbehinderte. Ebenso gibt es staatliche (Erziehungs-) Heime, in welchen jedoch die Atmosphäre weniger gut erscheint (genaueres nachzulesen in der Literatur ab Seite 303). Die beschützenden Werkstätten in Indonesien werden meist von privaten Organisationen geführt und bieten eine handwerklichen Ausbildung (meist beschränkt auf Nähen und Weben) an. Durch das „Industrial Vocational Training Centre“ sind ebenfalls Ausbildungsmöglichkeiten in handwerklichen Berufen gegeben. Diese sind in fünf Gruppen unterteilt und orientieren sich an dem indonesischen Arbeitsmarkt. Weiterhin existieren private, staatliche und halbstaatliche berufliche bzw. handwerkliche Rehabilitationszentren. Die meisten von ihnen konzentrieren sich auf die Städte, wodurch auch in diesem Zusammenhang die Behinderten in den ruralen Gebieten wieder benachteiligt sind. Außerdem ist zu erwähnen, dass bis 1990 nur jährlich 15000 Behinderte in den handwerklichen Rehabilitationseinrichtungen betreut werden konnten. 1976 initiierte die UN ein Programm der „gemeindenahen Rehabilitation“, welches den behinderten Menschen eine selbständige Erwerbtätigkeit ermöglichen sollte, die sich am Bedarf und den Möglichkeiten der ländlichen Gemeinden orientiert. Die bereits bestehenden kommunalen Werkstätten wurden als Basis genutzt, um Ausbildungskurse (dauern in der Regel drei Monate) für Behinderte anzubieten. Es werden verschiedene Arten von Erwerbstätigkeiten angeboten, vom Schneidern über Zimmern und Entenzucht bis hin zu Radio- und Fahrradreparaturen. In den meisten Fällen verfügen die kommunalen Werkstätten nicht über genügend Schlafstätten, so dass die auszubildenden Behinderten täglich den Weg vom Dorf zur Werkstatt zurücklegen müssen. Da dies meist eine finanzielle Belastung für die Familien bedeutet, wurde als „Anreiz“ vorgeschlagen, dass nach Abschluss der Ausbildung jeder Behinderte eine Basisausstattung erhält. Dadurch kann er im Dorf in dem erlernten Beruf sofort tätig werden. Um noch mehr Behinderte zu erreichen, hat das indonesische Sozialministerium mobile Rehabilitationsteams gegründet. Sie bestehen in der Regel aus einem Arzt, einem Physiotherapeuten, Beschäftigungstherapeuten, beruflichen Ausbildern, Sozialarbeitern und (orthopädischen) Technikern.


Überblick der behindertenpädagogischen Praxis in den Nachbarländern Singapur, Thailand und Indonesien

Singapur

Singapur ist ein Stadtstaat mit etwa 2,2 Millionen Einwohner und einem Bruttosozialprodukt von circa 13600 US $ pro Kopf. Es ist mit Abstand das wohlhabendste Land in Süd-Ost-Asien. Dadurch ermöglicht dieser Staat seinen Einwohnern einen hohen Lebensstandard, eine gute Gesundheitsversorgung und Schulbildung. Singapur wurde 1819 britische Kolonie und erhielt mit Malaysia 1959 die Unabhängigkeit, 1965 löste sich Singapur als eigener Staat aus dem malaysischen Staatenbund. Die Amtssprachen sind Englisch, Mandarin und Bahasa Malai (malaiisch). Die Anfänge der Leistungen und Einrichtungen der gezielten, die ethnischen Gruppen übergreifende Hilfe für Behinderte, beginnen (nach dem 2.Weltkrieg) 1947, als Singapur noch mit Malaysia unter britischer Kolonialregierung verwaltet wurde. 1962 wurde aufgrund privater Initiativen „MINDS“ (Movement for the Intellectually Disabled, Singapore) gegründet, weil bis dato kein Schulangebot für geistig Behinderte existierte. Die Regierung ging bis 1988 davon aus, dass es die Aufgabe der Familie ist, sich um ihre behinderten Angehörigen zu kümmern. 1969 begann das Sozialministerium mit der zahlenmäßigen Erfassung von Behinderter in Singapur. Die Meldung war allerdings freiwillig und aus diesem Grund ungenau, 1989 wurde die Registrierung abgeschafft. Nach Angaben vom „Department of Social Work and Psychology“ in Singapur lebten 1988 12526 behinderte Menschen in Singapur, davon lebten 7% (824 Behinderte) in elf Heimen. Familien mit behinderten Kindern erhalten einen Steuerfreibetrag von max. 3000S$ (1500€). Private Stiftungen übernehmen zum größten Teil die Pflege, Beschulung und Therapie Behinderter. Das primäre Ziel der singapuranischen Regierung geht in die Richtung der Vermeidung und Früherkennung von Behinderungen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass behinderte Kinder möglichst in der Regelschule unterrichtet werden sollen. Am Ende der 3.Grundschulklasse legen alle Schüler einen Einstufungstest ab, danach können blinde, gehörlose und physisch behinderte Kinder die Regelsekundarstufe besuchen. Sie erhalten durch speziell ausgebildete Lehrer eine besondere Betreuung. Lernbehinderte Kinder werden nach einem bestimmten Curriculum in der Grundschule gefördert und nicht aus der Regelschule ausgegliedert. In Singapur gibt es 13 Sonderschulen, in diesen wurden 1991 2458 Kinder unterrichtet. Das Erziehungsministerium bezuschusst mittlerweile die Sonderschulen und stellt ausgebildete Sonderschullehrer zur Verfügung. Ein Problem in Singapur ist die Pflege der behinderten Erwachsenen, da in vielen Familien Männer und Frauen arbeiten gehen und sich so nicht um die Behinderten kümmern können. Da es keine Behindertenheime gibt, plant MINDS mit dem Sozialministerium in den Wohnvierteln Tageszentren zu organisieren. Dort sollen Behinderte von 7-19 Uhr pflegerisch versorgt und pädagogisch betreut werden. Für ausbildbare geistige Behinderte existieren drei Werkstätten, in denen sie entsprechend ausgebildet werden, um sie wenn möglich im singapuranischen Arbeitsmarkt zu integrieren. Ziel der behindertenpädagogischen Maßnahmen Singapurs ist die Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft. Die Regierung betont dabei, dass dies nur in Kooperation mit freiwilligen Verbände und Mitarbeitern gelingt.


Thailand

Auch hier erst einmal ein paar wenige Informationen zu Thailand. Die Mehrheit der Thais sind Buddhisten. Thailand ist immer noch sehr stark landwirtschaftlich geprägt, Ausnahme ist die monopolistische Region Bangkoks, welche eine große Bedeutung erfährt. In diesem Gebiet konzentrieren sich die meisten Industrieanlagen, außerdem ist es Regierungssitz. Thailand hat eine konstitutionelle Monarchie und ist in 71 Provinzen unterteilt. Das Land hat 57 Millionen Einwohner, davon leben allein ca. 8-9 Millionen in Bangkok. Thailand fasst, so wie auch Indonesien die Behinderten in die vier Hauptrichtungen zusammen. Die letzte Erfassung von Behinderten durch das Sozialministerium erfolgte 1986 und war freiwillig. Damals wurden 388550 Menschen erfasst. Die Heime und Werkstätten sind für die oben genannten vier Behindertengruppen konzipiert. 1990 wurden in den elf nicht-staatlichen, privaten Heimen ca. 970 behinderte Menschen betreut. Momentan leitet das Sozialministerium 48 Heime in denen 5523 behinderte Menschen leben. Die Schulpflicht in Thailand umfasst die sechsjährige Grundschulzeit. Es wird eine Verbesserung der Curricula gefordert, da sich die momentanen Pläne eher an der urbanen, privilegierten Schicht orientieren. Behinderte Kinder sind besonders benachteiligt, da es nur wenige Sonderschulen gibt, die zudem meist noch schulgeldpflichtig sind. 1939 wurde die erste Sonderschule „Bangkok School for the Blind“ gegründet. Das thailändische Erziehungsministerium richtete bereits 1952 eine Abteilung „Special Education“ ein. Und bereits 1957 wurden Versuchsklassen für lernbehinderte Schüler in sieben Schulen im Stadtgebiet Bangkoks eingerichtet. 1977 verpflichtete sich der Staat Schulerziehung für alle zu gewähren. Besonders ist die spezielle Förderung von Hörbehinderten, denn seit 1986 übersetzen die Fernsehanstalten ihre Nachrichten simultan in Gebärdensprache. 1990 gab es in Thailand 17412 behinderte Schüler, die in 506 Klassen unterrichtet wurden (nach Angaben des Ministeriums für Erziehung). In Thailand sind 19 Sonderschulen vorhanden, jeweils vier Schulen für Blinde (mit 300 Schülern und 50 Lehrern) und für geistig Behinderte (mit 784 Schülern und 63 Lehrern), neun Sonderschulen für Gehörlose und Hörbehinderte (mit 2482 Schülern und 296 Lehrern) sowie jeweils eine Schule für Körperbehinderte (mit 197 Schülern und 24 Lehrern) und für mehrfach- und hörbehinderte Kinder (mit 206 Schülern und 26 Lehrern). Zu beachten ist hier auch wieder die Vorrangstellung Bangkoks, denn 10 dieser Sonderschulen (53%) befinden sich allein in dessen Großraum. Auch in Thailand wurden Versuchsklassen eingerichtet, wo behinderte und nichtbehinderte Schüler zusammen unterrichtet werden. Diese integrative Schulen erstrecken sich auch auf die Sekundarstufe. Weiterhin kann das Ministerium für Erziehung über einige „mobile“ Sonderpädagogen verfügen, die nach Bedarf an einigen Berufsschulen und Sekundarschulen eingesetzt werden. Vier thailändische Universitäten bieten ein Studium der Sonderpädagogik mit dem Abschluss eines „Master degree“ für Sprach-, Hör- und Körperbehinderte an. Auch in Thailand besteht das primäre Ziel der behindertenpädagogischen Maßnahmen darin, die Behinderten zur Selbständigkeit zu erziehen und ihnen dadurch die bestmögliche Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Außerdem bereitet die thailändische Regierung ein Gesetzt vor, welches finanzielle Zuschüsse für Behinderte und ihre Familien vorsieht.


Malaysia

Malaysia ist eine Förderation von 13 Mitgliedsstaaten mit 16,4 Millionen Einwohnern. Malaien stellen die ethnische Mehrheit mit 57% (daneben gab es 1990 ca. 10% nationalisierter Inder und ca. 33% Chinesen), aufgrund dessen ist Malaysia vom Islam geprägt. Die Schulbildung ist jeweils Aufgabe des Bundesstaates. Obwohl keine Schulpflicht existiert, gelten Kinder und Jugendliche vom 6. bis 15. Lebensjahr als schulpflichtig. Angeblich besuchen jedoch 98% der sechs- bis elfjährigen Kinder eine Grundschule. Ab Beginn der Schulreife sollen Kinder neun Schuljahre absolvieren, davon eine sechsjährige Grundschulzeit und im Anschluss daran werden sie meist automatisch in die dreijährige Sekundarschule eingeschult. Für lernbehinderte Schüler ist es möglich, die beiden Schularten jeweils zwei Jahre länger zu besuchen. Auch Malaysia unterscheiden vier Behinderungsarten, sehbehindert oder blind, hörbehindert oder gehörlos, körperbehindert und geistig behindert. Die Verantwortung bezüglich Ausbildung und Rehabilitation teilen sich das Erziehungsministerium, das Gesundheitsministerium, das Sozialministerium und das Sportministerium. Die Angaben über die Anzahl der behinderten Menschen ist in Malaysia ebenfalls nicht zuverlässig, da auch hier die Angaben freiwillig sind. 1990 waren 43593 Behinderte vom Ministerium erfasst. Jedoch geht das Ministerium davon aus, dass ca. 1% der gesamten Bevölkerung (ca. 180000 Menschen) behindert ist. 1957 wurde das erste Ausbildungszentrum für Blinde in Kuala Lumpur durch private Initiative gegründet. In Malaysia existieren keine speziellen sonderpädagogischen Curricula, die Regelcurricula werden auf die Bedürfnisse der Sonderschüler entsprechend geändert und abgestimmt. Die staatliche Betreuung in Zentren und/oder Schulheimen konzentriert sich vor allem auf die Förderung gehörloser bzw. hörbehinderter Kinder. In den 27 Sonderschulen, von denen nur drei staatlich sind, wurden 4214 Schüler unterrichtet, davon waren allein 3108 hörbehinderte Schüler. Die Regierung unterstützt behinderte Schüler, die eine Sonderschule besuchen, durch Zuschüsse, dies sind z.B. die Kosten für die Unterbringung, ebenso werden die Sonderschulen bezuschusst. Das Erziehungsministerium begann 1961 mit einer sonderpädagogischen Ausbildung für Lehrer. Auch heute werden Sonderschullehrer nur an einigen der 28 Teacher Colleges ausgebildet. 1991 hat das malaysische Erziehungsministerium mit einem neuen Lehrerausbildungsprogramm für Schüler mit Lernschwierigkeiten begonnen. Die handwerkliche oder berufliche Ausbildung behinderter Kinder und Jugendlicher erfolgt primär in elf privaten Institutionen, welche mit Regierungsmitteln gefördert werden. Die Regierung trägt zur Zeit ein berufsbildendes Zentrum für Hörbehinderte (ein zweites ist geplant), für Körperbehinderte existiert ein einziges staatliches berufsbildendes Zentrum und für Geistigbehinderte steht gegenwärtig noch kein berufsbildendes Zentrum zur Verfügung. Ein primäres Ziel der malaysischen Regierung ist die Vermeidung und Früherkennung von Behinderungen. Außerdem sollen neben der verbesserten sonderpädagogischen Ausbildung angehender Sonderschullehrer ebenfalls mehr Sozialarbeiter ausgebildet werden. Die malaysische Regierung ist durch weitere Projekte und Maßnahmen bemüht die behinderten Mitmenschen in die Gesellschaft zu integrieren und sie zu unterstützen. Jedoch ist sich die Regierung bewusst, dass die nicht-staatlichen, freiwilligen Organisationen den Hauptteil an den sonderpädagogischen Maßnahmen tragen.

Zur Entwicklung behindertenpädagogisch–segregativer und integrativer Praxis in Singapur, Thailand und Malaysia

Generell kann man davon ausgehen, dass Sonderschulen staatlich nicht institutionalisiert sind wie beispielsweise in Deutschland. Behindertenpädagogische Einrichtungen werden meist von privaten Organisationen geleitet und erhalten vom Staat nur beschränkte Förderung. Das Problem der vorhandenen Sonderschulen ist wohl, dass sie als schulgeldpflichtige Privatschulen geführt werden. Somit stehen sie meist nur der Mittel- und Oberschicht zur Verfügung. Ebenso trifft für Malaysia und Thailand zu, dass die meisten Sonderschulen in Städten zu finden sind und meist nur den Primarbedarf abdecken. Ein weiteres Problem sind außerdem die fehlenden Schulreifetests vor der Einschulung. Jedoch besucht tatsächlich nur ein geringer Teil behinderter Kinder eine Sonderschule, da durch die Zentrierung der Sonderschulen in der Stadt, der Transport zu teuer und zu aufwendig für viele Kinder aus den ländlichen Gebieten ist. Dazu kommt noch das Problem der zu geringen Kapazität, immer wieder müssten Schüler auf Wartelisten gesetzt werden.

Indessen versuchen Malaysia und Singapur parallel dazu, durch frühzeitige Diagnose Schädigung im Säuglings- und Kleinkindalter zu erkennen, um somit eventuellen zu vermeidenden Behinderungen entgegen zu wirken. Eine weitere Schwierigkeit sieht die Autorin in der segregierenden Beschulung, die ihrer Meinung nach dem traditionellen Hintergrund der Kultur widerspricht. Somit ist ihrer Meinung der Weg, integrierende Schulen mit gemeinsamer Förderung nichtbehinderter und behinderter Kinder vermehrt zu fördern, welchen die meisten ASEAN-Länder eingeschlagen haben, der Richtige. Ein weiterer Gegenstand des Problems sind die zu wenig oder zu schlecht ausgebildeten Lehrer. Auch an diesem Punkt arbeiten alle drei Staaten vermehrt unter anderem auch durch den Austausch und Hilfe von anderen asiatischen Staaten sowie Australien und Neuseeland. Trotz der vielen und ernsthaft Bemühungen der Regierung, ist es Malaysia und Thailand ohne private und gemeinnützige Organisationen einfach finanziell nicht möglich die nötigen Maßnahmen um zusetzten.

Kritische Analyse der Ergebnisse

Zum Konzept der indonesischen Sonderschule (Sekolah Luar Biasa)

a) staatliche Schulen Das indonesische Ministerium für Erziehung und Kultur hat dem Recht nach Bildung Rechnung getragen und durch die Ausbildung von Sonderschullehrern und den Bau von Sonderschulen, Sonder-Grundschulen und Integrationsschulen Möglichkeiten für die schulische Bildung von behinderten Kindern geschaffen. Ebenfalls erhalten behinderte indonesische Kinder eine Ausbildung, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln und somit ein nutzvolles Mitglied der Gesellschaft werden. Das integrative Schulmodell was seit 1977 praktiziert wird ist zu begrüßen, da sehgeschädigte, lernbehinderte oder hörbehinderte Kinder nicht unbedingt in speziellen Sonderschulen beschult werden müssen. Neben dem normalen Curricula erhalten sie Stützunterricht. Ebenso sind die Sonder-Grundschulen zu loben, die Kinder ihrer Behinderung entsprechend in verschiedenen Klassen nach dem Curriculum für Primarschulen unterrichten. Im Allgemeinen ist die Meinung der indonesischen Bevölkerung gegenüber den Sonderschulen positiv. Sonderschulen werden für eine gute und wichtige Einrichtung gehalten, weil sie behinderten Kindern helfen, selbständig zu werden, weil behinderte Kinder ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden können und weil die Lehrer geduldiger sind. Die indonesische Regierung ist in diesem Bereich stark auf die Hilfe von privaten Organisationen angewiesen, denn sie schafft es schon allein finanziell nicht ganz Indonesien flächendeckend mit Sonderschulen zu versorgen. Daher konzentriert sich das Ministerium für Erziehung und Kultur auf die Errichtung von Sonder-Grundschulen und Integrationsschulen und private Organisationen bemühen sich behinderte Kinder und Jugendliche ihren Bedürfnissen entsprechend in speziellen Schulen zu unterrichten.


b) nicht-staatliche Sonderschulen Zu den fünf konventionellen sonderpädagogischen Richtungen (A-E), betreiben private Organisationen fünf weitere Sonderschultypen und zwar Sonderschulen für Kinder mit „orthopädisch bedingten Schädigungen“, mit „neurologischen Schädigungen“, Sonderschulen für leicht und schwer Geistigbehinderte bzw. Körperbehinderte und für mehrfach Behinderte. Die nicht-staatlichen Sonderschulen nahmen innerhalb von 10 Jahren (1980-1990) um 350% zu. (Hier ist noch einmal zu erwähnen, dass 1984 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde.) Sie erhalten vom Erziehungsministerium Zuschüsse, dies sind: - 50% der Gehälter und Beihilfen aller Sonderschullehrer, - 25% der Gehälter der Angestellten an Schulen, - 50% des Lehrmaterials, - max. 20% der Kosten für Neuerrichtung von Schulgebäuden, - 100% der Kosten für Lehrbücher, - bis zu 20% der Kosten für die Ausstattung der Schulbibliothek. Die meisten dieser Sonderschulen erlassen das Schulgeld teilweise oder ganz (einkommensabhängig), da ohne diese Befreiung viele Eltern nicht in der Lage wären ihr behindertes Kind beschulen zu lassen. Jedoch ist es immer noch so, dass der Großteil der Sonderschulen sich in den größeren javanischen Städten finden lässt. Dies bedeutet, dass die Sonderschulen oft weit vom Wohnort des behinderten Schülers entfernt liegen. Die privaten Sonderschulen versuchen, behinderten Kindern Selbständigkeit, Selbstsicherheit, Kommunikationsfertigkeiten, Grundrechnen, Schreiben und Lesen zu vermitteln. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass der Besuch der Sonderschule immer noch eine gesellschaftliche Isolierung bedeuten kann.


Schlussfolgerungen

Nach Beobachtungen der Autorin, bleiben viele behinderte Kinder so lange in den Regelschulen, wie ihre Eltern das Schulgeld zahlen. Daher müsste nicht das Ziel sein mehr Sonderschulen zu errichten, sondern sollte das indonesische Erziehungsministerium die Initiative ergreifen, durch mehr Schulprojekte die integrative Schulform zu betonen. Denn im Jahr 1988/89 besuchten nur ein drittel der geschätzten Sonderschüler die verschiedenen Sonderschuleinrichtungen. Demzufolge muss man davon ausgehen, dass ein großer Teil der geschätzten Sonderschüler eine Regelschule besucht. Integrationsschulen beugen der Segregation behinderter Kinder vor. Außerdem stärkt dieser Schultyp das Selbstwertgefühl behinderter Kinder, während eine segregierende Sonderbeschulung die Kinder von ihrer Familie, den Nachbarn und der Gemeinde entfremdet. Um dies zu realisieren gibt die Autorin den Vorschlag an, dass Grundschulen zuerst allmählich anfangen behinderte Kinder aufzunehmen und integrative Klassen schaffen, es soll somit der Weg der kleinen Schritte gegangen werden. Diesen Weg könnte man auch mit gemeinsamen Arbeitsprojekten und polytechnischen Ausbildungen verstärken. Denn es ist schwierig für einen indonesischen Sonderschüler einen Arbeitsplatz zu finden, denn bis dato (1991) gab es keine gesetzliche Regelung zur Integration behinderter Menschen in die Arbeitswelt. Außerdem sollte man beachten, dass dieses integrative Schulmodell vor allem für die ländlichen Gebiete und die Inseln im indonesischen Archipel geeignet erscheint, da diese ohnehin mit Sonderschulen unterversorgt sind.


Ergebnisse zu den Konzepten und Maßnahmen im außerschulischen Bereich

Das größte Problem Indonesiens ist die Armut. Ohne dieses Problem zu lösen, lässt sich auch nicht erfolgreich an einer echten Prävention von Behinderungen denken und sprechen! Wenn die traditionellen Werte an Bedeutung verlieren werden folglich mehr und mehr Behinderte aus Familie und Gesellschaft ausgegliedert. An diesem Punkt muss der Staat ansetzen und an die existierenden Werte anknüpfen um allen Indonesiern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.


Literatur

  • Kallauch-Stock, Irmtrud (1992): Sozialisation von Kindern auf Java (Indonesien). Unter besonderer Berücksichtigung ihrer körperlichen und psychischen Lebenserschwernisse; eine interdisziplinär-relevante Untersuchung in der Forschung der Sonderpädagogik und "Pädagogik Dritte Welt". Frankfurt am Main 1992
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